Griechenland und die Presse

Jun 23rd, 2010 | By Christian Buder | Category: Krise, Ökonometer

In Deutschland ging Griechenland als Sündenbock durch die Presse. Die griechischen Beamten hätten sich zu hohe Gehälter bezahlt, das Rentenalter sei zu niedrig und ließen in südländischer Halodriweise immer auf Kosten der braven arbeitenden Staaten der EU – wie Deutschland – anschreiben. Der Zynismus in der Presse kannte hier keine Grenzen.

Die Gegner einer solchen Pauschalverurteilung eines Staates pochten auf Solidarität in der EU und manch einer forderte sogar der lästerlichen Presse den Mund zu stopfen. Dem Groll der Menschen auf der Straße in Deutschland als auch in Griechenland wird keiner gerecht. Sicherlich haben die Griechen sich verschuldet. Aber die Deutschen trugen auch dazu bei. Waren es nicht sie, die z. B. teure Waffenlieferungen an Griechenland bereitstellten, damit diese im Dauerclinch mit der Türkei bestens gerüstet sind? Deutschland hat verdient an der Verschuldung Griechenlands und darf sich jetzt nicht über die Verschuldung beklagen. Im Gegenteil, Solidarität ist gefragt.

Dies ist das Credo vieler Politiker, die nicht gegen Griechenland wettern. Aber ist es nicht nur wieder eine politische Modeerscheinung, dass man sich jetzt für die braven Griechen einsetzt? Wer von diesen Politikern hat in den letzten Jahren auch nur einmal an Griechenland gedacht (außer vielleicht, wenn er seinen Urlaub buchte?) Ja, Griechenland war nicht relevant, politisch nicht brisant. Erst nachdem es durch die Presse gezogen wurde und die Gemüter sich echauffierten, hielten viele Politiker es für chique und politisch korrekt, vor allem gegen diese Hetze zu sein. Ja, so als ob die Griechen diese fadenscheinige Verteidigung einiger Parlamentarier bräuchten. In jedem zweiten Satz heben sie hervor, dass wir solidarisch sein sollen. “Wir” müssen in dieser schlimmen Zeit zusammenhalten, weil “Wir” ja schließlich auch in den guten Zeiten profitiert hätten.

Ja, Deutschland hat an den Exporten verdient. Nein, Deutschland hat nicht an den Exporten profitiert. Beide Sätze sind weder falsch noch richtig. Denn verdient hat nicht Deutschland an diesen Exporten. Einige Industriezweige haben daran verdient, eine kleine Gruppe hat sich an den Exporten bereichert. Die letzten Jahre waren für die Deutschen ein Tanz auf dem Schleifstein. Löhne wurden zu Dumpinglöhnen zurechtgestutzt und der Sozialstaat mutierte zum Klassenstaat. Wenn es nun aber darum geht, für die Verluste Griechenlands aufzukommen, da soll dieses “Wir” plötzlich solidarisch auf das Volk umgelegt werden. Plötzlich hat das Volk profitiert und nicht nur eine Handvoll Kapitaleigner, die ihre satten Renditen einstrichen.

Wenn es darum geht “Gewinne” einzufahren, dann gilt das “Ich” und man hält die “liberale” Fahne hoch. Wenn es aber darum geht, Verluste aus dieser Überschuldung zu begleichen, da ruft man das “Wir” aus. Vielleicht sollten sich ein paar Politiker einmal überlegen, ob die Bürger, die sie gewählt haben, auch solidarisch an den Gewinnen beteiligt wurden, bevor man sie jetzt so mir nichts dir nichts zwangssolidarisiert.

Der moralisierende Ruf nach Solidarität klingt schön, wenn man den dumpfen Widerhall ausblendet, der aus den vergangenen Tagen kommt als man den Staat aus der Wirtschaft heraus haben wollte und man Deutschland zu einem Land ohne Vermögenssteuer machte, zu einem Land mit volkswirtschaflich unsinnigen Billiglöhnen, zu einem Land, in dem der Spitzensteuersatz gesenkt wurde… Solidarität war in diesen Tagen ein Unwort, das man den Sozialisten nachwarf. Wenn jetzt Politiker Solidarität fordern und sich künstlich über die böse Presse aufregen, die über die Griechen schimpfen, dann doch nur, weil sie an den Eigentumsverhältnissen einer kleinen, aber vermögenden Bevölkerungsgruppe festhalten. Diese sollten nicht “solidarisch” zur Kasse gebeten werden. Ihr Kapital, das sie jahrelang durch überhöhte Gewinne vergrößerten, steht nicht zur Debatte. Diese so moralisch sauberen Politiker fordern, wie soll man es anderes erwarten, dass der arbeitende Bürger zahlt. All diejenigen, die nicht an den Profiten beteiligt waren.

Nein, die Leute auf der Straße haben nichts gegen die Griechen, aber sie haben etwas gegen die Politiker, die ihnen ein schlechtes Gewissen einreden wollen.

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  1. Es ist ja alles schon bekannt. Bekannt auch, dass sich Griechenland in die Eurozone reinge-
    schmuggelt hat.
    In einem Schnellverfahren wurde die Griechenlandhilfe bewilligt. Kein anderes Gesetz ist je so
    zügig durch den Bundesrat geschleust worden.
    Um weitreichende Folgen für den Euroraum zu vermeiden, wurde ohne Beteiligung der
    Banken das Rettungspaket geschnürt und das ist das Drama. Die kommen wieder mal gut weg dabei.
    Der finanzielle Ausverkauf der Bundesrepublik Deutschland hat stattgefunden.
    Die Lasten der Griechenlandhilfe wird voll dem Steuerzahler aufgebürdet.
    Der Steuerzahler bleibt auf den Schulden sitzen und es ist noch nicht abzusehen, welche
    Staaten als nächstes betroffen sein werden.
    Die Griechen müssen in den kommenden drei Jahren 30 Milliarden Euro sparen. Ob es ihnen gelingen wird, ist fraglich. Vielleicht hätten die Griechen kurze Zeit zurück zu ihrer ursprünglichen
    Währung gehen sollen.
    Sparen sollen die Griechen, nur nicht an ihren Rüstungsausgaben, denn die
    werden ja aus Deutschland geliefert.
    Verträge über Waffenkäufe müssen eingehalten werden, darauf besteht Deutschland und auch
    Frankreich.
    Es gibt sicher Kritikpunkte, die den Griechen vorgehalten werden können, aber alleinige
    Schuld trifft sie nicht.
    Fraglich ist auch, ob die Rettung zur Stabilisierung des Euros beitragen wird und werden
    andere Staaten, über denen der Pleitegeier bereits kreist nicht auch auf die Idee kommen, dass für
    sie ähnliche Rettungspakete geschnürt werden?
    Wir werden wie Schafe geschoren und haben noch nicht durchschaut, welche katastrophalen
    Zustände auf die gesamte Eurozone zukommen werden. Frau Merkel schweigt wie immer.
    Wir haben eine „tolle Bundeskanzlerin“, aber es ist wahrscheinlich nur eine Frage der Zeit, wo
    sie dann ihre letzte Rede ans Volk halten wird. Vielleicht tritt sie freiwillig zurück.

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